Keine 40 Kilometer vom schicken Berliner Kanzleramt verlottert seit Jahren ländliche Infrastruktur. Gut 31 Kilometer Luftlinie vom Zentrum der deutschen Hauptstadt – Verfall wie in einem Drittweltland. Die L235 zwischen Gielsdorf und Altlandsberg – noch so ein Landfluchtgrund.
Auf der Webseite mein-wesendahl.de lese ich, dass eine Anfrage beim Landesbetrieb für Straßenwesen mit der lapidaren Auskunft beschieden wurde, die L235 sei von „untergeordneter Verkehrsbedeutung“, weshalb „keine Investitionen“ vorgesehen seien.
Die Auskunft der Beamten vom Straßenwesen ist zynisch und sachlich falsch. Für die Bewohner der Gegend, die jeden Tag oft mehrfach über bröselnden Asphalt und knöcheltiefe Löcher zur Arbeit, zur Schule, zum Arzt und zum Einkaufen fahren, ist die L235 von überragender, ja vitaler Bedeutung. Sie ist die einzige Straßenverbindung nach Strausberg bzw. Altandsberg und Berlin.
Es geht auch nicht um Investitionen. Haushaltstechnisch korrekt geht es um Kosten, nämlich um laufende Unterhaltskosten für bestehendes Anlagevermögen. Und die spart man ein mit dem grotesken Hinweis auf ein ominöses „Grünes Netz“, von dem hier keiner je gehört hat. Wem das nicht passt, der kann ja wegziehen.
Wie der Staat, der sich in aller Stille aus der Fläche zurückzieht. Kein Arzt, kein Bus, kein Winterdienst – so spart man Millionen. Staatliche Präsenz reduziert auf den gelegentlichen mobilen Blitzer im Vorwerk. Nun auch noch keine Straße?
Und weil es zum Thema passt: Das lahmste Internet Europas erreicht uns (noch) in zum Bersten gespannten Glasfaserkabeln, an denen monatelang stürzende Bäume und kippende Masten bedrohlich zerren, ohne dass sich etwas tut – ebenfalls entlang unserer geschundenen L235.
Sofern das Amt glaubt, dieses Bürgeranliegen ad acta legen zu können, sollte es diesen Artikel eher als Auftakt zu einem dynamischen Dialog verstehen. Ich kenne viele in der Gegend, die hier nicht wegziehen wollen. -ujk
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